Wechselwirkung Schadstoff - Wasser - Sediment

Wissenschaftliche Koordination: Prof. Dr. Rolf-Dieter Wilken, IWW

Wasserforschung Mülheim und Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Teilprojekt ORGANISCHE MIKROSCHADSTOFFE: Prof. Dr. Andreas Schäffer und Prof. Dr. Henner Hollert (RWTH Aachen)

Teilprojekt WASSERQUALITÄT: Dr. Axel Bergmann, Dipl.-Geo. Anja Wolf, Prof. Dr. Rolf-Dieter Wilken (IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung, Mülheim a.d. Ruhr / Biebesheim)

Teilprojekt MONITORING und MODELLIERUNG: PD Dr. Stefan Norra, Prof. Dr.-Ing. Bernhard Westrich (Karlsruher Institut für Technologie, Universität Stuttgart)

Teilprojekt MIKROBIOLOGIE: Dr. Andreas Tiehm (Technologiezentrum Wasser, Karlsruhe)

Teilprojekt VIRTUELLE ORGANISMEN: Prof. Dr. Karl-Werner Schramm (Technische Universität München)

In Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich, Institut für Bio- und Geowissenschaften (Institut für Pflanzenwissenschaften und Institut für Agrosphäre) und Zentralabteilung für Chemische Analysen, Teilprojekt ANALYTIK

Industriegebiet am Yangtze (Foto: A. Bergmann)

Deutsche Flüsse waren nach der Industrialisierung durch ungeklärte kommunale und industrielle Abwässer so kontaminiert, dass das Wasser selbst sowie die Fische, Pflanzen und Sedimente unerträglich verschmutzt waren. Die Trinkwasseraufbereitung aus Flusswasser war nur mit großem Aufwand möglich.

Deutschland hat reagiert und, mit Hilfe der Forschung, entscheidende und nachhaltige Wege zur Verbesserung der Gewässerqualität und der Fluss-Systeme gefunden.

Die Belastungs-Situation der Flüsse in China wird unterschiedlich gesehen. Gerade beim Yangtze können mehrere Aspekte genannt werden. Zum einen entwässert der Yangtze ein großes Gebiet, das neben einigen Millionenstädten auch große industrielle Zentren an seinen Ufern hat, die direkt, über eine Abwasseraufbereitung oder über anliegende Deponien, zur Verschmutzung des Yangtze beitragen. Man muss aber auch wissen, dass eine mittlere Abflussmenge (MQ) von 31.900 m3/s (im Vergleich der Rhein: MQ 2.330 m3/s) ein hohes Verdünnungspotenzial besitzt.

Eine neue Situation ist nach Fertigstellung des Staudamms vorausgesehen worden: aus dem fließenden Gewässer ist bei Aufstau ein See entstanden, der anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt als ein Fluss.

In dem entstandenen See herrschen andere Wechselwirkungen zwischen Kontaminanten und der Wasser-, Schwebstoff- und Sedimentphase als im Fließgewässer. Es ist eine Eutrophierung durch eingetragene Nährstoffe festzustellen, die im Staubereich zu lästigen Algenblüten und Wasserhyazinthenwuchs führen. Die Nährstoffe und die Pestizide aus der Landwirtschaft sind nur schwierig zu reduzieren, weil das landwirtschaftlich genutzte Land in viele kleine Parzellen mit vielen verschiedenen Nutzern aufgeteilt ist und intensiv genutzt wird.

Mit diesen Veränderungen beschäftigen sich die Projekte der hier vorgestellten Yangtze-Hydro-Gruppe. Die schon 2008 gestartete Yangtze-Geo-Forschergruppe beschäftigt sich mit den Themen: Landnutzungswandel-Erosion-Hangbewegungen-Stoffeinträge, wobei in dem Teil-Projekt "Landnutzungswandel" beide Yangtze-Projekte eine gemeinsame Schnittstelle besitzen und deshalb zusammenarbeiten.

Die deutsche Umweltforschung hat sich mehr und mehr von einer gezielt suchenden zu einer nach Wirkungen schauenden Umweltforschung weiterentwickelt. Nun ist eine Forschergruppe von Universitäten und Forschungseinrichtungen im Yangtze-Hydro-Projekt angetreten, um ihr aktuelles Wissen mit den chinesischen Gruppen am Yangtze zu teilen. Von deutscher Seite sind die Universitäten von Aachen, Karlsruhe, Stuttgart und München (TU) beteiligt. Als Forschungseinrichtungen sind IWW Wasserforschung Mülheim an der Ruhr/Biebesheim und TZW in Karlsruhe Projektpartner. Darüber hinaus gibt es eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum in Jülich, das Kontakte zu den chinesischen Gruppen schon sehr lange und intensiv pflegt.

Nach dem Anlaufen der Projektförderung im Sommer 2010 fand bereits eine erste Absprache der Forschungsaktivitäten statt, bei der Einrichtungen in Beijing (State Council Three Gorges Project Construction Committee, Chinese Research Academy of Environmental Sciences), Chongqing (Universität), Wuhan (Changjiang Water Resources Protection Institute und Institut für Hydroökologie) und Shanghai (Tongji Universität, gemeinsam mit Vertretern der Universitäten Nanjing und Zhejiang) besucht und Absprachen getroffen wurden.

Schwerpunkte des Yangtze-Hydro-Projektes sind die chemische Spurenanalytik und das Schadstoffverhalten (IWW, TZW, RWTH Aachen, FZ Jülich) und neuartige Probennahmeeinrichtungen, die im Projekt BIOVIRTUOS mit "virtuellen Organismen" eingesetzt werden, wobei Schadstoffe in Adsorberschläuchen aufkonzentriert werden (TUM). Als neuartiges Probennahmesystem gilt das MINIBAT, das unter Wasser hinter einem Boot gesteuert Proben nehmen kann (KIT); in dem Teilprojekt eingeschlossen ist eine Modellierergruppe der Universität Stuttgart.

Der enge Forschungskontakt wird durch regelmäßige Treffen in China und Deutschland gepflegt, wobei sich Gruppen aus den beiden Ländern oder der gesamte Forschungsverbund treffen.


letzte Änderung 27.11.2011 | |Impressum |Ausdrucken