Landnutzungsklassifizierung und Analyse der Vulnerabilität von Risikoelementen bei Massenbewegungen im Einzugsgebiet des Xiangxi

Die Bearbeitung des Teilprojekts LANDNUTZUNGSWANDEL erfolgt durch Prof. Dr. Lorenz King, Dipl.-Geogr. Christoph Seeber und Dipl.-Ing. agr. Matthias Wiegand an der Universität Gießen

Das Teilprojekt LANDNUTZUNGSWANDEL hat die Bewertung der Folgen der Flussaufstauung auf die räumliche und zeitliche Dynamik der Landnutzung sowie die Abschätzung der Vulnerabilität von Risikoelementen (z.B. Gebäuden) durch Massenbewegungen zum Ziel. Als Grundlage für diese Risikoabschätzung dienen Kenntnisse zur gegenwärtigen Landnutzungsstruktur und ihres Wandels. Für eine flächenhafte Erfassung der aktuellen Landnutzung dienen Fernerkundungsdaten.

Klassifizierungen der Landnutzung basierend auf Satellitenbildern (Landsat und ASTER) für 1987, 1999 und 2007 dienen der Vergleichsanalyse der Landnutzung sowie der Dokumentation der Landnutzungsänderungen vor und nach der politischen Durchsetzung bzw. der Errichtung des Drei-Schluchten-Staudamm.

Landnutzungsänderungen konzentrieren sich auf intensiv genutzte Flächen in den zentralen Tälern und an den Hängen entlang der Aufstauung des Xianxgi-Flusses resultierend aus der Aufstauung des Yangtze-Flusses. Hauptsächlich entlang der dieses Rückstau in den Xiangxi wurde Ackerland in Orangenanbau umgewandelt, um den Verlust von Ackerflächen durch eine als profitabler erachtete Nutzung zu kompensieren. Orangenanbau soll als wirtschaftliches Standbein der Landbevölkerung in der Drei-Schluchten-Region dienen und zudem die Bodenerosion an Hängen im Vergleich zu konventionellem Ackerbau verringern. Insgesamt fand im gesamten Xiangxi-Einzugsgebiet, insbesondere im Hinterland, ein deutlicher Rückgang ackerbaulich bewirtschafteter Flächen zugunsten Wald- und Buschland sowie Orangenanbau statt. Mittels binärer logistischer Regressionen konnte festgestellt werden, dass besonders topographisch ungünstige Standorteigenschaften (Höhenlage, Neigung) mit schlechtem Zugang zur Verkehrsinfrastruktur treibende Kräfte für die Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung waren. Seit Ende der 1980er Jahre verlagerte sich die Wertschöpfung in der Region deutlich von der Landwirtschaft zur Industrie. Programme zum Gewässer- und Bodenschutz, welche zum Ziel haben, Ackerbau an steilen Hängen in Wald, Forst und weniger intensive Nutzungen zu überführen, trugen ebenfalls zum Rückgang der Landwirtschaft im Hinterland bei.


Landnutzungswandel von 1987 bis 2007 im südlichen Xianxgi-Einzugsgebiet (C. Seeber)

Hangrutschungen stellen im Untersuchungsgebiet eine Gefährdung für Infrastruktur und Häuser dar. Selbst sehr langsame Hangbewegungen können mit der Zeit zu schwerwiegenden Schäden führen. Unser Projektansatz besteht darin, aus flächendeckend erfassbaren Parametern (z. B. Topographie, Landnutzung, Nähe zu Abflusslinien und Staubecken des Xiangxi) das Gefährdungspotenzial für Gebäude abzuleiten. Im Herbst 2010 wurden exemplarisch über 600 Gebäude erfasst und nach äußerlich sichtbaren Schäden (Risse, Verformungen) in Schadensklassen eingeteilt. Mittels logistischer Regression wurden Zusammenhänge zwischen Einflussfaktoren und Schäden untersucht. Erste Ergebnisse zeigen, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von Gebäudeschäden und der relativen Lage im Gelände (Topographic Position Index), der Geländehöhe, und der Entfernung zum Staubecken besteht.

Gebäudeschäden im Bereich einer Rutschungsmasse (Fotos: M. Wiegand).


letzte Änderung 11.04.2011 | |Impressum |Ausdrucken